Logo

Sizilien

Praktische Tipps finden sich ganz unten auf der Seite! Zur Bildergalerie findet man hier. Eine Kurzversion dieses Berichtes findet sich hier.

Dies ist der Bericht unserer (Kristina, Bela, Anne, Thomas, Jule, Kerstin, und zwischendurch noch Francesco und Caroline) Reise nach Sizilien im Dezember 2006/Januar 2007. Wir waren zwar mit Mietwagen unterwegs, haben aber auch einige ein- oder mehrtägige Wandertouren in den Bergen Siziliens unternommen, welche in diesem Bericht einen großen Teil einnehmen.

1. Tag - 28.12.: Ankunft, Terrasini, Palermo (Autor: Bela)

Kristina, Anne und Thomas sind schon am Nachmittag vorher bei mir in Köln eingetroffen. Unser Flug ging zu einer noch recht humanen Uhrzeit. Aufstehen war also um 7 - packen, frühstücken und ab zum Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zum Flughafen Köln/Bonn. Ich war ja überrascht, dass der Flughafen für die KVB noch auf Stadtgebiet ist, d.h. die Fahrt kostet nur 2,10. Der Einstieg gestaltete sich allerdings sportlich - erst zu Gleis 10, dort ist uns die S-Bahn vor der Nase weggefahren. Ah, in 1 Minute ein RE an Gleis 2 - Sprint! Doch auch der - Türen gehen gerade zu, als wir auf den Bahnsteig kommen. Also wieder zurück gerannt, und dann doch eine S-Bahn genommen. Dort haben wir dann Kerstin getroffen, die mit uns fliegt. Flug war, wie üblich, unspektakulär. Wie erwartet keine Probleme mit dem Gepäck, auch nicht mit den Benzinkochern.

Gegen Mittag sind wir dann in Palermo auf dem Flughafen angekommen - und dort erwartete uns strahlender Sonnenschein, warme Temperaturen, und schon am Flughafen, der direkt am Wasser liegt, die spektakuläre Landschaft um Palermo. Während ja Palermo selbst recht flach ist, ist die direkte Umgebung sehr bergig bis ca. 700m. In der Nähe des Flughafens fallen die Felswände quasi direkt ins Wasser. Unser Freund auf Sizilien, Francesco, holt uns - in seinem "International Relations"-Band-T-Shirt - ab, so dass wir uns auch sehr schnell zurechtfinden. Allerdings muss man, um zu den Autovermietungen zu kommen, den Schildern genau entgegengehen - ein Vorgeschmack auf sizilianische Ausschilderung, die uns in den nächsten Tagen noch viel beschäftigen wird. Am Avis-Schalter selber ist dann erstmal der Computer kaputt. Es heißt, wir sollten mal 10 Minuten warten, allerdings warnt uns Francesco gleich vor den sizilianischen 10 Minuten. Es zeigt sich dann auch, dass Besserung für die Computer nicht in Sicht ist und so kriegen wir unseren Vertrag handgeschrieben - auch kein Problem. Zwei Wagen holen wir, einen ganz tollen VW Polo und einen Ford Fiesta. Um Anne und Thomas, die noch am Terminal warten, abzuholen, müssen wir zwar ein paar Kreise fahren und dann schließlich in der 3. Reihe parken, aber nach ein paar Minuten sind wir dann on the road.

Unser erstes Ziel ist Terrasini, ein kleiner Ort in der Nähe des Flughafens, wo wir bei Francesco unser Gepäck abladen. Von dort geht es, mit nur noch einem Auto und in Kolonne hinter Francesco, gleich nach Palermo, wo wir mit Freunden von Francesco verabredet sind. Die Fahrt nach Palermo fängt locker an - aber sobald man in die Nähe des Stadtgebietes kommt, wird es abenteuerlich! Auf der Autobahn, die nominell 2 Spuren hat, fahren meist 3 oder gar 4 Wagen nebeneinander, Motorroller brettern zwischendurch, alles ist ein großes Chaos. In der Stadt selber wird es noch schlimmer, Verkehrs regeln scheinen nicht zu existieren, alle fahren, wann, wie und wo sie wollen, hupen lautstark - wie Autoscooter, nur mit echten Autos. Ich habe wirklich viel zu tun, alle Spiegel im Auge zu behalten - man weiß ja nie, ob gleich ein Motorroller vorbeischießt -, Francesco zu folgen, irgendwie ohne Beulen zwischen den Spuren zu wechseln und nebenbei vielleicht noch ein Auge auf Palermo zu werfen. Schließlich parken wir die Autos und es geht zu Fuß weiter. Wir treffen uns erst mit Francescos Freunden, Flavia und Marco, und gehen zusammen in einem Straßenlokal traditionell sizilianisch Essen (Panella, panierter Kichererbsenteig in Brot, sehr lecker). Noch weitere Freunde stoßen zu uns, und dann geht es kreuz und quer durch Palermo.

Palermo hatten wir nicht so groß erwartet - ein schwerer Fehler! Die Stadt hat ja immerhin fast 700,000 Einwohner, die Region Palermo sogar über eine Million. Das schlägt sich auch im Stadtzentrum wieder - Palermo ist sehr lebendig und quirlig. Natürlich findet hier in Süditalien mehr Leben auf der Straße statt, als wir das in Deutschland oder der Schweiz gewohnt sind, und so sind alle Straßen und Plätze übervoll. Palermo hat natürlich viele alte Kirchen und andere Sehenswürdigkeiten aus den verschiedensten Epochen - immerhin hat ja so ziemlich jeder mal seine Spuren auf Sizilien hinterlassen. Aber auch die kleinen Gässchen, wo kaum ein Auto durchpasst, haben wirklich italienisches Flair.

Ganz ungewohnt für uns sind die streunenden Hunde, von denen es wirklich viele gibt! Sie sind auch meist wohlgenährt - da die Italiener sehr viel Müll auf die Straße werfen, und z.B. auch an Märkten abends die Reste einfach in der Straße landen, ist für die Hunde sicherlich immer gut gesorgt. Einer überlegt sich allerdings, uns als neue Herrchen zu betrachten und folgt uns in einigen Metern Abstand. Hin und wieder ist er mal für eine kurze Zeit aus dem Blickfeld, aber dann taucht er auch plötzlich wieder auf der anderen Straßenseite auf, guckt links und rechts, und kommt zu uns herüber, wenn mal kein Auto kommt. Die Evolution scheint den Hunden hier beigebracht zu haben, sich im Verkehr sicher zu bewegen...

Nach einiger Zeit sind wir dann fussfaul und ziehen uns in ein Lokal zurück, wo eine Band gerade aufbaut. Leider machen sie einen ewigen Soundcheck - nur um dann aufzuhören und erstmal noch ein Glas Wein zu trinken! So kommen wir dann doch nicht in den Genuss ihres Konzertes und fahren zurück nach Terrasini.

2. Tag - 29.12.: Lo Zingaro, Segesta (Kris)

Am nächsten Morgen schauen wir gleich in einen fröhlich stimmenden blauen Himmel (Annel und Thomas besonders, denn sie haben auf dem Flachdach des Mietshauses geschlafen, in dem Francescos Familie ihre Ferienwohnung hat) und freuen uns auf unseren Wanderausflug. Zuerst muss aber noch für die Verpflegung gesorgt werden. Wir gehen in einen der vielen kleinen Läden, die aufgrund ihrer Größe natürlich ein deutlich begrenzteres Angebot haben als wir es aus deutschen Supermärkten gewohnt sind (abgesehen von den Nudeln, da ist die Auswahl größer), kaufen dort frisches Brot mit Sesam, einen Mozzarella-ähnlichen Käse wurstähnlich in der Wachshülle, lassen uns ein paar Scheiben richtige Wurst abschneiden und denken mit Äpfeln auch an die Vitamine. Wasser darf bei diesen spätsommerlichen Temperaturen natürlich auch nicht fehlen. Und dann geht es auch schon los Richtung Lo Zingaro, auf die Autobahn (hier, wie auf dem Großteil der Strecken kostenlos), bei Castellamare del Golfo wieder runter und Richtung Scopello. Am Parkeingang ist zu unserer leichten Überraschung das Eintrittshäuschen auch Ende Dezember besetzt und wir löhnen pro Person 2 Euro (ermäßigt, sonst 2,50 oder 3), dafür bekommen wir aber auch eine Karte und freundliche Tipps. Es führt ein Rundweg ein bisschen in die Höhen und zurück dann am Meer entlang. Dabei kann man die lange Strecke gehen, aber auch abkürzen, wenn man wie wir noch etwas anderes vorhat. Es ist auf jeden Fall sehenswert. Das Farbenspiel der rotbraunen Erde mit dem saftigen Pflanzengrün, dem südländischen Flair der Palmen und Kakteen und dem strahlenden Blau des Himmels und des Meeres macht das Wandern zum reinsten Vergnügen. Am Wegesrand trifft man auch das ein oder andere Blümchen, was bei uns sein Dasein im Topf fristen würde.

Weg im Lo Zingaro
Im Lo Zingaro

Von dem oberen Wegteil aus hat man immer wieder einen schönen Blick und an der Küste entlang bieten sich immer mal wieder Abzweige zum Meer, wo man an hübschen Stränden die Beine ins Wasser baumeln kann oder auch mal ein bisschen am Fels bouldern, wenn man zu den Kletterfanatikern zählt, was bei einem nicht unwesentlichem Teil unserer Gruppe der Fall ist.

Kletterfanatiker in Aktion
Küstenweg gut sichtbar

Auf dem Rückweg beeilen wir uns dann schon ein bisschen, weil wir vor Sonnenuntergang noch nach Segesta wollen, um uns einen Tempel anzuschauen. Diese Sehenswürdigkeit ist auch gut zu erreichen, da die Autobahn (Richtung Trapani) daran vorbeiführt. Allerdings sind wir dann doch ein bisschen zu spät dran, denn der nette Mann an der Einfahrt zu dem hoch umzäunten Gelände pfeift uns energisch entgegen mit seiner Autorität verleihenden Trillerpfeife, was dann über Sprachbarrieren hinweg heißen sollte: Ihr kommt zu spät. Tja, Pech gehabt. Der letzte Einlass ist stets eine halbe (oder dreiviertel ?) Stunde vor Sonnenuntergang. So werfen wir dann aus der Ferne einen bescheidenen Blick auf einen Teil des Tempels und beschließen in der Abflussrinne eines anliegenden Feldes zu picknicken, was nicht allen Gruppenmitglieder als ein geeigneter Platz für ein gemütliches Mahl erscheint, aber als Minderheit fügt man sich ja auch mal in so etwas. Am Abend sind wir dafür noch in Terrasini Pizza essen gegangen. Da ist es dann auch wieder gemütlicher und vor allem lecker. Auf dem Heimweg muss Bela dann noch eine Erscheinung festhalten.

Segesta von der Straße aus
Die Mutter Gottes mit Neonlicht...wer's mag...

3. Tag - 30.12.: Monreale, Fahrt nach Catania (Kris)

Nach erneutem Frühstückseinkauf (Diesmal wird die/das Nutella nicht vergessen, allerdings dann beim Frühstück heftig debattiert, welcher Artikel mehr Berechtigung hat.) geht es los Richtung Monreale. Das ist ein kleiner Ort im Oberland von Palermo, dessen Dom viele Besucher anlockt - auch uns, da ich eine Schwäche für Kreuzgänge habe und deshalb kräftig die Werbetrommel gerührt habe. Wir wollen nicht unbedingt durch Palermo fahren und kurven stattdessen über kleinere Straßen. Kurven ist auch der richtige Ausdruck, denn im bergigen Hinterland Palermos geht es kurvig zu. Dabei stellen wir fasziniert fest, dass die Sizilianer auch gern mal die andere Fahrband nehmen, wenn die eigene ihnen zu eng wird. Daraufhin kommt es zur ersten Bewerbung für den Kalauer des Tages. Auf Annels Aussage: Die nehmen die Kurve ja außen, wenn sie sie innen nicht kriegen! bemerke ich: Solange sie sie nicht kratzen! Ja ja, die guten alten Kalauer...

Hier hat der Briefträger nicht so viel Arbeit.

Jedenfalls dauert die Fahrt über diese Strecke dann wohl gut dreimal so lang wie über Palermo (wo Monreale auch gut ausgeschildert ist, wie ich später feststelle). Aber sie bietet auch nette Ausblicke. In Monreale erwartet uns ein äußerst reges Treiben, worauf wir nicht so recht gefasst sind. Es ist gerade Markttag und die beste Zeit (so gegen 11), so dass die engen Straßen des Städtchens schier überquellen. Dazu kommt auch noch, dass wir den Dom (Duomo) nicht erspähen können, weder in echt noch auf Schildern. Als wir dann aber mit Müh und Not einen Parkplatz ergattert haben und uns zu Fuß auf die Suche machen, scheint das alles aber nicht mehr so schwer. Leider ist der Domvorplatz zurzeit eine einzige Baustelle, aber dafür wirkt der Kreuzgang dann (hat man einmal den Eintritt von 3/ 6 Euro entrichtet) umso besinnlicher. Er ist in der Tat so beeindruckend wie es der Reiseführer verspricht. Jedes Säulenpaar schmückt eine andere Verzierung, jede Kapitellplastik erzählt eine eigene Geschichte... etwas Besonderes stellen die Mosaikverzierungen dar.

Im Kreuzgang
Im Kreuzgang

Diese finden sich auch im Dom selbst wieder, der sogar den größten Mosaikzyklus der Welt beherbergen soll. Außerdem kann man darin Jesus als Pantokrator bewundern, der aufgrund des Geschicks des Künstlers stets auf den Besucher zu blicken scheint, egal wo dieser steht. Nun ja, dieser Eindruck drängt sich uns nicht unbedingt auf, aber die Mosaike sind wirklich beeindruckend.

Der Dom
...

Anschließend bummeln wir noch ein bisschen durch Monreale, das nun in der Mittagszeit deutlich ruhiger geworden ist, und schauen uns dabei nach einem größeren Supermarkt um, leider ohne Erfolg. Wir beschließen, auf dem Rückweg im Vorstadtgebiet Palermos einkaufen zu gehen. Zuvor fahren wir aber noch zur Burg auf dem Monte Castellaccio (?) über Palermo, die der italienische Alpenverein in Stand hält. Es ist ein ganzes Stück Aufstieg, aber der Ausblick lohnt die Mühe allemal. An eine alte Burgmauer gelehnt auf einem Berg hoch oben zu stehen, auf Palermo und das Meer zu blicken, das ist schon nicht schlecht.

Castellaccio
Palermo von oben

Aber uns drängt die Zeit, wir wollen noch einkaufen und dann soll es heute Abend, wenn der Rest der Gruppe angekommen ist, auch noch weiter nach Catania gehen. Also wieder ins Auto, ein bisschen verfahren und auf die italienische Beschilderung geschimpft, in einem etwas größerem Laden eingekauft und wir wären so weit. Dann heißt es erst einmal die Rucksäcke aller mittlerweile sechs Personen und die Einkäufe in den beiden Mietwagen verstauen. Als auch das geschafft ist, gehen wir uns noch vor Antritt der Fahrt nach Catania in einem Imbiss stärken. Das ist ein Familienbetrieb und der Sohn des Hauses in recht jugendlichem Alter bereitet unsere Hamburger, Mozzarella-Bällchen und sonstigen Bestellungen und wir sinnieren über Kinderarbeit und freuen uns über die moderaten Preise. Francescos Ferienhaus nördlich von Catania und damit am Fuße des Ätnas erreichen wir am späten Abend, der dann doch ein bisschen winterlichere Temperaturen (tagsüber in der Gegend von Palermo ließ es sich im T-Shirt gut aushalten) bereithält, besonders in dem ausgekühlten Haus. Aber da gibt es einen Ofen und die Wärme und Atmosphäre des Holzfeuers lässt uns wohlig erschauern.

4. Tag - 31.12.: Ätna von Süden, Silvesterfeier (Kris)

Heute steht der Ätna auf dem Programm und eigentlich wollen wir auch dem Anlass entsprechend früh los. Ja, eigentlich... Dann kochen wir aber noch Tee zum Mitnehmen und der eine sucht noch jenes und der andere welches und schwups ist es wieder ganz schön spät. Am Ende hat aber auch jeder seine Mütze und Handschuhe und keiner muss frieren. Kurz noch eingekauft, diesmal auch in einem Supermarkt, was bei der ungewohnten Auswahl gleich noch ein paar Minuten mehr in Anspruch nimmt und dann geht's aber geschwind mit den Autos bis zum Rifugio di Sapienza, wo sich die sizilianische Schickeria ein Stelldichein gegeben hat, es gilt zu sehen und gesehen zu werden (mit der entsprechenden Handtasche und der obligatorischen D&G-Sonnenbrille) und zum Skifahren. Wir hatten schon morgens beschlossen, den Lift zu boykottieren. Nicht unbedingt nur aus bergsteigerischem Stolz sondern auch wegen des Preises (hin und zurück so um die 20 Euro pro Nase). So gegen 12 (nachdem die Sonnencreme-Pröbchen von Jule brüderlich geteilt wurden) geht's dann also gen Gipfel, der, da er raucht, gleich noch ein bisschen mehr Respekt einflößt. Und obwohl wir ihn direkt vor der Nase haben, sind wir uns erst nicht ganz schlüssig, wie wir das angehen sollen. Über die Piste? Besser nicht. Also querfeldein? Aber gibt es da nicht vielleicht auch einen Weg? Egal, einfach los (wir sind ja ohnehin spät dran). Die Querfeldein-Methode funktioniert dann auch trotz einiger rutschiger Passagen. Die Jungs gehen sicheren Schrittes voran und ich versuche meine ersten Kalauer mit: "Toll, wie die Jungs spuren". Einige von uns beneiden Bela sehr um seine geriatrischen Gehhilfen. Die setzt er aber auch selbstlos zur Rettung anderer ein.

Eisquerung
Anstrengeder Aufstieg

Während wir uns jeden Höhenmeter erkämpfen, sausen die Skifahrer vergnügt an uns vorbei. Da können wir uns doch nicht die Schadenfreude verkneifen, als einer wie ein Fisch ins Netz geht. Aber das Lachen seiner Freunde hätte bei entsprechenden Wetterverhältnissen wahrscheinlich auch eine Lawine auslösen können.

Ins Netz gegangen...

Gegen Halb 3 kommen wir dann an der Skistation an, die Toiletten werden aufgesucht und nach etwas Zögern erstehen wir für jeden einen Porutscher für den Rückweg, denn uns graut vor den steilen Abschnitten, außerdem wird es ja gegen 5 dunkel. Wir haben zwei der liebreizendsten Damen der Gruppe für den Kauf auserwählt um einen Mengenrabatt rauszuschlagen. Mit Erfolg: das Stück kostet uns 4,50 statt 5 Euro. Die Ausgabe macht sich aber auf jeden Fall bezahlt. Aber erstmal noch ein Stück nach oben. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ist es sinnlos, noch bis zum Hauptkrater aufsteigen zu wollen. Wir nehmen uns den ebenfalls ein bisschen rauchenden Nebenkrater (einer der Crateri Silvestri? - Wäre auf jeden Fall passend bedenkt man das heutige Datum) vor. Noch mal ein richtig steiler Anstieg und wir stehen am Kraterrand. Was für eine Kulisse! Vor uns ein rauchender Krater und hinter uns ein Meer aus Wolken.

Alle mal hinschauen
Blick auf den Hauptkrater
Unsere "Schlitten"

Da oben ist es unerwartet angenehm, gar nicht so windig und von unten her ja auch ein bisschen warm. Es werden erste Überlegungen zur Eignung als Biwakplatz angestellt, aber die Sonne droht allmählich unterzugehen und so schwingen wir uns auf unsere Porutscher (nicht ohne den einen oder anderen skeptischen Blick auf den steilen Abhang zu werfen). Bela riskiert Kopf und Kragen als erstes und ist im Nu davon, so dass den anderen nicht viel Zeit zum Zaudern bleibt. An der Skistation angekommen entscheiden wir uns dann für die Piste, da diese uns weniger gefährlich erscheint als die Querfeldein-Variante, bei der man mit nicht wenigen Steinen schmerzhaft kollidieren kann - dann doch lieber mit einem Skifahrer. Von denen sind aber auch schon nicht mehr viele unterwegs. Auf der Hälfte der Strecke etwa holen uns dann zwei Ordnungshüter ein, die uns zur Vorsicht mahnen, da nach ihnen niemand mehr kommt, der uns in einer Notsituation helfen könnte. Sie empfehlen uns auch dringend, auf der Piste zu bleiben. Das übrigens alles auf Italienisch. Caroline, der wir die Einladung nach Sizilien überhaupt verdanken, spricht sehr gut Italienisch. Wenn sie nicht dabei ist, verständigen wir uns mehr mit Händen und Füßen, denn Englisch hilft besonders in den weniger touristischen Gegenden nicht viel weiter. Am Ende kommen wir alle heil, aber auch mit klitschnassen Hosen unten an. Aber was ist eine nasse Hose gegen so viel Spaß?! An den Autos angekommen ziehen wir kurzerhand die Hosen aus und huschen in Slips ins Trockene. Als wir dann auf dem Heimweg durch einen Ort kommen und Bela, der als einziger die Auf-der-Haut-Trocken-Variante gewählt hat, noch mal schnell was einkaufen geht, hole ich zur Kalauerbewerbung Nr. 2 des Tages aus, indem ich dankbar feststelle: "In unserer Beziehung hat Bela die Hosen an."

Nachdem wir uns dann in Francescos Ferienhaus frisch gemacht haben (wirklich frisch, denn die Dusche war eiskalt) üben die Mädels noch ein paar ihrer Stücke, insbesondere Wenn alle Brünnlein fließen, was eigens für das Gastspiel auf Sizilien ins Programm aufgenommen wurde, denn als deutscher Gast kann man ja nun nicht nur Irish Folk spielen. Es holpert ein bisschen, aber der gute Wille ist erkennbar. Dann geht es auf zu der Silvesterfeier in Catania. Auf sizilianischen Straßen mit 3 Autos in Kolonne verlieren wir nur einmal das letzte, das ist ein guter Schnitt. Unterwegs machen wir Halt bei Francescos Eltern, was für uns alle ein beeindruckendes Erlebnis ist. In ihrem mit Antiquitäten reich geschmückten Empfangszimmer thronen uns die di Franciscos gegenüber und unterhalten sich nett mit uns. Der Vater kann gut englisch und erweist sich auch im Gespräch als ausgesprochener Kulturliebhaber, der uns überzeugen will, dass die unzähligen Geschichts- und Kulturdenkmäler Siziliens viel mehr zu bieten haben als die zweifelsfrei auch schöne Natur. Trotzdem stattet er uns dann - möglicherweise ein wenig schweren Herzens - mit Prospekten über die Natur aus. Die Silvesterfeier findet in einem Veranstaltungssaal statt, den Francesco zusammen mit Freunden für ihre kleine Musikschule renoviert hat. Da steht ein Buffet mit lauter Spezialitäten der Region und unter den Gästen finden sich mindestens drei Generationen, wie man sich das für Italien auch vorstellt. Wir genießen nach dem anstrengenden Tag im Schnee die Stärkung und probieren so gut wie von allem, natürlich auch vom Wein. Dann spielen die Mädels unterstützt vom ersten Silvestergeknalle und als dann die ersten Korken knallen, lernen wir, wie man sich auf Italienisch Glück fürs neue Jahr wünscht: Auguri! Dieser Ausspruch wird natürlich von vielen Küsschen begleitet. Auf Sizilien ist der Wangenkuss - im Unterschied zum restlichen Italien oder auch Spanien - auch unter Männern üblich. Ein Sizilianer kommt mit ausgebreiteten Armen auf uns zu und sagt: "I know that you're not used to it, but I WILL KISS YOU ALL!" Sehr witzig, diese halbe Drohung! Die Jungs nehmen es (äußerlich) relativ gelassen hin und wir bleiben noch bis etwa 3 Uhr bis die Müdigkeit uns endgültig einholt und wir nach langem Stop-and-Go in Catanias Innenstadt endlich in unserem Ferienhäuschen am Fuße des Ätna in die Betten fallen können.

5. Tag - 01.01.: Taormina (Kris)

Heute haben wir es nicht allzu eilig. Wir frühstücken gemütlich auf der sonnigen Terrasse, wo Kerstin auch schon unsere Ätna-Exkursionsklamotten geistesgegenwärtig ausgebreitet hat. Francesco bringt Köstlichkeiten aus einer Konditorei mit. Die Cannoli sind besonders lecker! Mmh... diese Ricottafüllung...

Francesco beim Frühstück

Nach diesem Genuss fahren wir Richtung Norden nach Taormina. Die Autobahn ist zwar kostenpflichtig, aber mit 1,80 Euro durchaus bezahlbar und wesentlich schneller als die Küstenstraße, außerdem bietet sie auch schöne Ausblicke auf Orangenplantagen. In Taormina parken wir dann in einem ziemlich teuren Parkhaus, fahren mit dem dort wartenden Bus hoch in die Altstadt und laufen dann vorbei an touristischen Läden (wo u. a. Postkarten und Maultrommeln erstanden werden) zum antiken Theater. Wir löhnen pro Person 3 Euro ermäßigten Eintritt (bis 25 Jahre; sonst 6 Euro) und stehen auch schon vor der beeindruckenden Kulisse.

Bela und Jule in Taormina

Trotz eines relativ starken Besucherandrangs kann man sich an diesem geschichtsträchtigen Ort auch gut mal zwei Minuten auf eine der Steinstufen setzen und das Ganze einfach wirken lassen. Gegen Sonnenuntergang sind es dann auch deutlich weniger Leute und wir sinnieren in Ruhe darüber, ob man sich bei dem Hintergrund aus Meer und Ätna denn auf ein Schauspiel in diesem Theater konzentrieren kann.

Blick auf den Aetna

Die Dunkelheit bei den abendlichen Programmen trägt sicher zu der Konzentration aufs Stück bei. Als wir dann so gegen 5 aus dem Ort wieder hinaus wollen, ist auf einmal der Teufel los, so viele Autos waren vorhin aber noch nicht da! Wir fühlen uns an Monreale zur Marktzeit erinnert und wollen nur noch weg hier. Drum beschließen wir auch, es nicht wie geplant zu versuchen, einen kleinen Strand zum abendlichen Bade aufzuspüren sondern fahren direkt zurück zum Ferienhaus, wo Francesco heute auch für uns kochen will. Es gibt Pasta alla Norma, ein typisches sizilianisches Gericht (sogar aus der Region Catania) und allen schmeckt es ausgesprochen gut. Wir sitzen noch eine ganze Weile zusammen und singen. Francesco bringt ein paar seiner eigenen Lieder zu Gehör und wir sind begeistert. Eine Katze, ein Hund und eine Ratte saßen auf einer Klippe und tranken, tranken, tranken Eistee! Was für ein schöner Abend!

6. Tag - 02.01.: Fahrt in den Nebrodi, Mistretta, Nebrodi (Bela)

Der ursprüngliche Plan war, gegen 8:00 loszufahren, damit wir noch einen guten Wandertag im Nebrodi haben. Von Catania aus müssen wir nach Mistretta - das macht ca. 100 km über die Autobahn, und dann nochmal eine gute Strecke über die Landstraßen. Schlussendlich waren wir dann um 9:00 unterwegs - eine Stunde Verspätung, das ist besser als unser Schnitt! Solange wir auf der Autobahn waren, kamen wir gut voran - aber dann! Die darauffolgende Landstraße erwies sich als relativ schlechte Bergstraße, eng, kurvig, uneben. Ich fahre zwar ganz gerne Bergstraßen, aber wenn man eigentlich ankommen will und allen Mitfahrern schlecht wird, ist das auch nicht mehr so toll! Zu allem Überfluss haben wir uns dann in Nicosia noch ordentlich verfahren, da im Ortskern keine richtige Ausschilderung ist bzw. der Wegweiser nach Mistretta leider in die falsche Richtung in eine Einbahnstraße führt - was ein von lauten Hupkonzerten begleitetes Wendemanöver zur Folge hat. Am Ortsrand sind wir dann an eine Tankstelle gefahren, um nach dem Weg zu fragen - und siehe da, jemand fährt wohl genau in unsere Richtung, so dass wir im folgen können. Der ältere Herr springt auch sofort in sein Auto, und so sind wir 10 Minuten später auf der richtigen Straße nach Mistretta. Nach weiteren 20 km Gekurbel mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von vielleicht 50 km/h kommen wir im leichten Regen in Mistretta an, wo wir - orientierungslos - erstmal in eine Sackgasse kurven, nach einigen engen Wendemanövern aber dann vor dem Rathaus parken. Jule, Anne und Kristina versuchen im Rathaus herauszufinden, wo denn wohl die Parkverwaltung sein mag - was nach einiger Zeit auch erfolgreich ist, ein sehr zu unserer Freude des Deutschen mächtiger Herr begleitet uns die 200m zur Parkverwaltung, welche gleichzeitig das örtliche Museum ist.

Dort ist man um diese Jahreszeit wohl nicht auf Touristen gefasst, insbesondere nicht auf solche, die im Nebrodi wandern wollen! Es stellt sich heraus, dass es dort eine ganz brauchbar aussehende Karte 1:100,000 gibt. So bekommt jeder von uns eine Jutetasche mit dieser Karte sowie einem Stapel Informationsblätter in den verschiedensten Sprachen, welche über die Sehenswürdigkeiten im Park informieren. Wie so oft aus Sizilien ist man auch hier unglaublich freundlich und hilfsbereit, auch wenn wir uns nur wenig verständigen können. So können wir nach einigen Minuten mit allen denkbaren Informationen ausgerüstet zum Auto zurückgehen und uns einen Ausgangspunkt überlegen. Wir entscheiden uns, die Straße ein wenig zurückzufahren und auf einer kleinen Straße ein Stück in den Nebrodi hineinzufahren. Dort finden wir nach wenigen Kilometern einen ganz vernünftig aussehenden Parkplatz für die Autos, packen noch schnell ein wenig um und stürzen uns in das Abenteuer. So geht es schwer bepackt - Lebensmittel für 2-3 Nächte, 4l Wasser pro Person - bergab in das erste Tal.

Nach der ersten Rast
Die Hügel des Nebrodi

Auf der ersten, sehr windigen Rast stellen wir erstmal fest, was wir alles zu kaufen vergessen haben: Wurst, Butter, Zucker...

Einheitspackordnung

Nachdem wir das Tal durchquert haben, verschlechtert sich das Wetter zusehends, es wird noch windiger, düster bedeckt und Regen kündigt sich an. Kurz vor dem Kamm auf der anderen Seite, zum Einbruch der Dämmerung, fangen wir an, nach geeigneten Zeltplätzen zu suchen. Nach kurzer Zeit finden wir hinter einem Zaun, den man aber mit den hier üblichen Treppchen gut übersteigen kann, einen recht ebenen und leidlich sichtgeschützten Platz. Und prompt fängt es schon an zu regnen, so dass der Zeltaufbau heute doppelt so schnell wie sonst passiert. Der Regen hört bald wieder auf, so dass wir uns entschliessen, die Nudeln draussen, inzwischen in der Dunkelheit, zu kochen. Da es aber doch inzwischen eher ungemütlich ist, ziehen wir zu mir ins Zelt, essen und spielen noch ein paar Gesellschaftsspiele... Der Mond kommt nochmal hervor, um unser Zähneputzen zu beleuchten, aber dann ghet geht es auch schon recht früh in die Schlafsäcke.

Kurz vor dem Wetterumschwung
Sonnenuntergang über dem Nebrodi
Zeltplatz

7. Tag - 03.01.: Nebrodi (Bela)

Die Nacht ist doch eher ungemütlich - Gewitter, Regen, Hagel, Schnee. Im Zelt von Jule und Kerstin ist es ein wenig feucht, und so werden wir davon geweckt, dass Kerstin am Ende eines ordentlichen Schauers den Himmel lautstark fragt, ob das denn schon alles gewesen sei, oder ob er noch mehr zu bieten hätte, worauf schallendes Lachen aus den anderen Zelten ertönt. Er hat noch mehr zu bieten... Nach einem ungemütlichen Frühstück packen wir die nassen Zelte ein und machen uns auf den Weg, welcher uns heute vorerst zurück auf den Hauptweg im Nebrodi und von dort weiter nach Osten führen soll. Der Regen der Nacht hat die Wege in ein einziges Schlammbad verwandelt, was das Vorankommen deutlich erschwert. An einigen Stellen muss man sich quer durch die Wegböschung schlagen, um nicht bis über die Knöchel im Schlamm zu versinken! Aber immerhin ist bisher das Wetter noch trocken, wenn auch kalt. Außerdem haben wir zum ersten Mal freien Blick auf das Meer, welches zum Greifen nah erscheint.

Aufstieg im Schlamm...
...mit Ausblick aufs Meer.

Was uns hier allerdings nicht ganz klar wird, ist, was eigentlich den Naturpark ausmacht. Die Wege sind breite Forstwege, offensichtlich häufig befahren (auch gestern sind uns ja einige Autos begegnet, offensichtlich Bauern - teils sehr verwundert, teils erfreut schauend ob der Verrückten). Alles scheint eingezäunt zu sein und, wie wir später feststellen, sind freie Flächen durch die Viehwirtschaft genutzt. Auf den Wegen trifft man auch ab und zu auf Kühe, welche dann in einem Abstand von 10-20 m vorauslaufen, bis es ihnen irgendwann zu blöd wird und sie uns passieren lassen. Einzig die Nutzung als Bauland scheint hier größtenteils, bis auf den Bedarf der Bauern, ausgeschlossen zu sein. Naturschutz scheint hier also auch nicht so fürchterlich eng gesehen zu werden. Wild Zelten ist da also nun wirklich kein Problem!

Schneematsch, zur Abwechslung

Nach einer kurzen Mittagsrast stoßen wir wieder auf den Hauptweg, welcher an dieser Stelle schon keine asphaltierte Straße mehr ist, sondern einfach nur ein leidlich gut ausgebauter Feldweg - zum Wandern also immer noch mehr, als wir eigentlich wollen! Aber noch kleinere Wege zu gehen ist unrealistisch, da die Wege auf der Karte und die Wege vor Ort, wie wir schon festgestellt haben, nicht viel miteinander zu tun haben. Die Hauptwege sind zwar korrekt eingezeichnet, aber es gibt viel mehr Seitenwege als auf der Karte vermerkt sind - wodurch dann aber die eingezeichneten Wege nicht mehr zu identifizieren sind! Meist ist auch nicht klar, ob es sich um richtige Wege oder tote Enden handelt, da die Wege oft durch ein Gatter versperrt sind - was aber auch beim Hauptweg vorkommt, so dass dies wohl kaum eine eindeutige Interpretation zulässt.

Schnelles Waschen im kalten Wasser

Kurz nachdem wir auf dem Hauptweg sind, verschlechtert sich das Wetter deutlich. Es gewittert und fängt an, stark zu hageln bzw. graupeln - die Körner sind zwar eher leicht, wie Graupel, haben aber einen Durchmesser von teilweise mehr als 1 cm! Das hält dann einige Zeit an, bis alles um uns herum einige Zentimeter hoch von Schnee bedeckt ist. gegen 15:00 beschließen wir, eine richtige Mittagspause zu machen und bauen als Schutz vor der immer noch recht ungemütlichen Witterung - auch wenn es zwischenzeitlich aufgehört hat zu hageln - ein Zelt auf. Immerhin können wir mit dem vielen Benzin, das wir noch haben, und dem Schnee Tee kochen und einige Liter Wasser gewinnen.

Wir lassen uns die Laune nicht versauen!
Und auf einmal: viel Schnee

Schließlich ist es 16:30, bis wir weiterkommen - und so bleibt nicht mehr so viel Zeit bis zur Dunkelheit. Unser Plan ist es, einen südlichen Bogen an den Hauptweg zu gehen und dann in der Nähe der Stelle, wo die Autos stehen, wieder darauf zu stoßen. Einige hundert Meter nach unserer Pausenstelle geht ein scheinbar größerer Weg nach rechts ab. Da er sich aber nach einigen Metern teilt, kann es nicht so recht unser Weg sein - aber wo sind wir dann? Ich behaupte eine Stelle, Thomas behauptet, wir wären schon viel weiter, Jule ist auch eher Thomas' Meinung, ich bin mir auch nicht so ganz sicher - so diskutieren wir, gehen vor und zurück, suchen nach klaren Anhaltspunkten, aber alles ohne durchschlagenden Erfolg. Das Problem ist einfach, dass die Diskrepanz zwischen den wahren Abzweigen und den Wegen in der Karte es nicht erlaubt, eindeutig festzustellen, was der richtige Abzweig ist. Also entschließen wir uns schweren Herzens, dem Hauptweg zurückzufolgen - zumindest bis wir wieder eine sichere Orientierung haben. Und so sind wir, ehe wir uns versehen können, wieder an dem Punkt angekommen, wo wir am Morgen auf den Hauptweg getroffen waren! Es stellt sich heraus, dass wir vor lauter Matschumgehungen, Hagel, Geschirrspülen, Mittagessen etc. nur sehr langsam vorangekommen sind und daher doch erst an der Stelle waren, wo ich uns vermutet hatte. Aber immerhin wissen wir jetzt, wo wir sind. Da es inzwischen auch schon dunkel ist, entschließen wir uns, unsere Zelte auf einem ebenen Feld im Schnee aufzubauen.

Unser Abendessen für heute sollte Reis sein - es stellt sich aber heraus, dass ich im Supermarkt statt Reis zu sowas wie Kritharaki (http://de.wikipedia.org/wiki/Orzo) gegriffen habe. Natürlich haben wir jetzt viel zu wenig Wasser im Topf, so dass schlussendlich eine fürchterliche Pampe entsteht, die auch mit viel Chili-Sauce kaum zu retten ist. Aber an der Schokolade ist nichts falsch, und so wird doch noch jeder satt. Und bald sind wir dann nach einem doch eher ungemütlichen Tag in unseren warmen Schlafsäcken.

8. Tag - 04.01.: Nebrodi, Fahrt ans Wasser (Bela)

Die Nacht war zwar recht windig, aber im Vergleich zur letzten immerhin trocken und daher auch für die mit den undichten Zelten erträglich. Nach dem im Zelt eingenommenen Frühstück haben wir flott gepackt und uns auf den Weg zurück zu den Autos gemacht. Da wir heute noch einen Zeltplatz am Meer suchen mussten und nicht so recht einschätzen konnten, wie schwierig das werden würde - also insbesondere ob die Zeltplätze vielleicht um diese Jahreszeit geschlossen hätten - haben wir uns entschieden, dem Hauptweg zurück zu den Autos zu folgen. Viele Alternativen hätte es sowieso nicht gegeben. Der Weg ist hier mit der höchste Teil unserer Wanderung, entsprechend viel Schnee liegt auf dem Weg. Das Fortkommen wird dadurch auch nicht immer erleichtert... Unterwegs machen wir noch eine Foto-Rast (Schneeengel für Anne und Jule).

Den Berg hoch zieht sich die Strecke ein wenig, dafür geht es dann auf dem sonnigen Weg bergab zu den Autos umso schneller. Der Schnee schmilzt hier schon deutlich, so dass auch meine Sorge, die Autos seien vielleicht unbeweglich eingeschneit, zerstreut wird. Schließlich kommen wir nach 10 km gegen Mittag zu den Autos. Dort werden erstmal trockene Schuhe angezogen für den Teil von uns, der seit Tagen unter nassen Füßen leidet und Tüten in den Socken trägt, und dann kann es auch schon bald in Richtung Mittelmeer losgehen. Erstmal geht es dann auch gut los - bis die Straße bergan geht und in schattigen Ecken doch noch recht viel Schnee liegt. Und schon steht mein Polo, und es geht nicht mehr weiter. Winterreifen haben wir natürlich nicht drauf, sowas werden sizilianische Autovermietungen wohl nicht einplanen - und Schneeketten erst recht nicht. Also hilft nur noch schieben, und so mühen wir uns in wechselnden Kombinationen - jeder darf mal sein Glück an Gas und Kupplung probieren - die nächsten Meter, bis die Reifen wieder greifen. Überraschenderweise kommt der Ford von Kerstin problemlos über alle Hindernisse drüber - bessere Reifen, mehr Last auf der Vorderachse? Wer weiß - irgendeinen Vorteil muss der Ford ja haben, wo er schon Benzin säuft wie ein Loch (~10l vs 6l Diesel beim Polo). Und nach wenigen solcher Stellen stehen wir dann auch schon auf der Straße hinab nach Mistretta, welche Gott sei Dank frei ist, so dass wir unser Rutschen nicht im Straßenverkehr ausprobieren müssen.

Und schneller als wir uns versehen können ist allen Rückbankfahrern schlecht - diese Bergstraßen! - und wir stehen am Mittelmeer. Man hat das Gefühl, mindestens 3 Klimazonen in 30 Minuten durchquert zu haben. Hier fahren wir in Richtung Palermo auf der Küstenstraße auf der Suche nach einem Campingplatz. In den ersten zwei Orten sehen wir nur die Ankündigungsschilder, nicht die eigentlichen Abzweige, aber dann finden wir einen direkt an der Straße. Die Rezeption ist geschlossen, und so macht sich ein Teil schonmal zur Inspektion auf, während der Rest wartet. Und nach einigen Minuten taucht auch der Besitzer des Platzes auf, der, wie sich herausstellt, sehr gut Französisch und Englisch spricht. Die Übernachtung kostet für alle sechs, 3 Zelte und 2 Autos zusammen 45 Euro - nicht gerade billig, aber noch annehmbar. Der Platz ist aber auch sehr schön, auf Terrassen direkt am Meer.

Der Blick vom Zeltplatz nach Westen
Die Zelte...
Ein Zeltplatz am Meer.

Jule, Kerstin und ich fahren noch schnell einkaufen. Ein Supermarkt im Ort ist schnell gefunden, doch dieser ist wie üblich sehr klein und hat leider keine Fleischtheke. Da es aber heute Abend mal was "Richtiges" auf die Teller geben soll, fahren wir noch zu einer Metzgerei (hier als Carnezzeria bezeichnet), welche ich am Ortseingang entdeckt hatte. Vor uns liegt nun die hier übliche Theke mit riesigen Fleischstücken, welche wir nicht so recht identifizieren können - und die Kommunikation ist nicht einfach, da wir das Wörterbuch vergessen haben und die Besitzer nur Italienisch sprechen. Mit Händen, Füßen und Tierimitationen gelingt es schließlich doch noch, Minutensteaks vom Schwein für jeden zu ergattern. Zurück am Platz werden diese - schon in der Dunkelheit - zubereitet und danach noch ein Verdauungsspaziergang in den - eher unspektakulären - Ort unternommen.

9. Tag - 05.01.: Wanderung am Rand der Madonie (Bela)

Heute sollte unsere letzte größere Wanderung sein, diesmal sogar mit Francesco und Caroline. Nach einigem Abwägen zwischen den Touren in unserem Wanderführer haben wir uns für eine Tour in der Nähe von Isnello entschieden. Recht früh ging es dann schon los - erst auf der Küstenstraße, wo man noch gut vorankam, aber dann wieder über ganz kleine Bergstraßen, so dass sich unsere Ankunft deutlich gegenüber der geplanten Zeit verzögerte. Schließlich hatten wir dann aber doch Francesco und Caroline gefunden und waren zusammen zum Ausgangspunkt gefahren.

Dort oben erwarteten uns dann eher unfreundliche Bedingungen: kalter Wind und eine Wolkendecke, die auf nichts Gutes schließen ließ. Das im Führer angegebene Schild am Eingang der angeblich markierten Wanderung war leider nicht aufzufinden, aber mit der Karte im Führer (eine genaue Karte hatten wir leider nicht) konnten wir uns schonmal in die richtige Richtung durchschlagen und haben dann wohl auch den richtigen Weg getroffen, auch wenn von der Markierung weit und breit nichts zu erkennen war. So ging es erstmal am Fuß des Berges, den wir umwandern wollten, ein wenig hinab zurück in Richtung Isnello. An einer Schäferhütte sollte der Weg den Berg hinaufgehen - das war zwar nicht klar zu erkennen, aber wir sind dann einfach einem Pfad folgend relativ steil den Hang hochgegangen. Nach einem guten Stück machten die Wolken dann wahr, was zu erwarten war - es fing an, in Strömen zu regnen. Also alle Regenjacken raus und weiter. Zwischendurch dachten wir schon, wir wären völlig falsch, als der Weg im Nichts endete, aber nachdem wir unter einem Zaun durchgekrabbelt waren ging es dann doch irgendwie weiter, jetzt auf einer Höhe bleibend unterhalb des Hauptkammes. Das Wetter wurde indes nicht wesentlich besser, und so wurde der Weg mehr und mehr matschig. Zu allem Überfluss mussten wir uns auch noch durch Gebüsch kämpfen, welches sich als eher widerspenstig erwies. Weiter oben dann war zwar das Gebüsch weg, aber dafür waren wir inzwischen inmitten der Wolken - womit die wirklichen Probleme begannen.

Auf einem ersten Sattel angekommen hatten wir aufgrund der schlechten Sicht die ersten Orientierungsprobleme. Sehr zu unserer Freude entdeckten wir jedoch auf dem Weg eine kleine Hütte, welche offensichtlich sonst von Schäfern genutzt wurde und weit offen stand, so dass wir trotz des Regens und des kalten Windes eine recht gemütliche Mittagspause einlegen konnten. Danach ging es weiter den Berg hoch. Da aber unsere Karte doch sehr ungenau war und keine Landmarken zu erkennen waren (Sicht höchstens 100 bis 200m), konnten wir nur noch mit dem Kompass die grobe Richtung erraten. Der Weg wurde zunehmend schwer zu erkennen, bis er sich an einem Zaun quasi ganz verlor. Nach einigem Überlegen gingen wir innen am Zaun entlang, bzw. in einigem Abstand dazu. Nach einigen hundert Metern zeigte sich jedoch, dass auf der anderen Seite ein guter Feldweg war. Inzwischen waren wir uns überhaupt nicht mehr sicher, wo wir waren - und ein Wegweiser, den wir an dem Feldweg fanden und der der erste Hinweis auf die Markierung des ursprünglich angestrebten Weges war, machte unsere Verwirrung nur noch größer. Da es inzwischen auch schon später Nachmittag war und die Sicht katastrophal, entschieden wir uns gegen die Alternative, weglos ohne Sicht nach Kompass durch die Berge zu stapfen und stiegen auf dem Hauptweg, bzw. einem davon abgehenden steilen Weg ins Tal in Richtung Isnello ab. Dort wäre zwar nicht unser Auto, aber der Plan war, dass die Fahrer auf der Straße zu den Autos wandern oder trampen und dann den Rest in Isnello abholen. Unten im Tal verbesserte sich dann auch recht bald das Wetter, da wir aus den Wolken rauskamen, und so waren wir recht bald in Isnello angelangt - wo die Dorfbewohner völlig überrascht waren angesichts 8 Wanderern im Regenwetter. Ein älterer Herr lud uns dann spontan alle auf ein warmes Getränke in die Dorfkneipe ein, wo sich dann auch schnell jemand fand, der die Fahrer zu den Autos bringen würde.

Die Fahrt zu den Autos und wieder herunter bis Cefalu erwies sich jedoch auch als eine Herausforderung - die Sicht war nämlich inzwischen auf weit unter 50m gesunken, so dass man die Kurven auf der Straße erst im letzten Moment erkennen konnte. Wir mussten uns also im Schneckentempo hinabkämpfen und waren dann alle froh, gut angekommen zu sein. Auf dem Rückweg legten wir noch einen kleinen Zwischenhalt in Cefalu ein, um die Kathedrale der Stadt zu besichtigen, welche wirklich sehenswert ist!

Praktische Hinweise

Sizilien ist ja als Wandergebiet eher schlecht erschlossen und die Informationen, die man im Internet findet, sind eher mäßig, daher will ich an dieser Stelle noch ein paar praktische Tipps abgeben für die, die selber eine solche Reise planen.
  • Es gibt einige Wanderführer für Sizilien, welche wir uns beim Globetrotter und der Reisebuchhandlung Gleumes in Köln angeschaut hatten. Am besten gefiel uns der "Rother Wanderführer Sizilien", ISBN 978-3-7633-4266-2. Hier sind recht viele, durchaus auch anspruchsvolle Touren in ganz Sizilien beschrieben. Nicht erwähnt werden jedoch Mehrtagestouren - dazu gibt es leider gar kein Buch und man ist bei der Planung mehr oder weniger auf sich selbst gestellt.
  • Mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf Sizilien haben wir uns gar nicht so recht beschäftigt, allerdings wurde uns im Vorfeld zugetragen, dass es da wohl eher schlecht aussehen soll. Wir hatten daher Mietwagen von Avis, gebucht über Auto Europe für einen ziemlich guten Preis. Die Straßen auf Sizilien sind im Großen und Ganzen sehr gut und wenig befahren, bis auf den Stadtverkehr von Palermo und Catania, welcher abenteuerlich ist. Aber auch das schafft man schon irgendwie...
  • Zum Nebrodi: wie erwähnt ist der beste Ansprechpartner hier das Museum in Mistretto, welches gleichzeitig so eine Art Besucherzentrum für den Park darstellt. Es ist ein wenig unscheinbar, aber man wird sich wohl durchfragen können. Es gibt dort eine Karte, die die Orientierung leidlich ermöglicht. Als Wandergebiet ist der Nebrodi nur wenig erschlossen, die Italiener scheinen auch im Nationalpark eher mit dem Auto anzureisen - wenn überhaupt, da man sich auf Sizilien seiner Naturschönheiten gar nicht so recht bewusst ist, wie mir schien. Überhaupt darf man sich den Naturschutz dort nicht so strikt vorstellen, wie der Name vermuten lässt: der überwiegende Teil des Parks ist landwirtschaftlich genutzt, aber unbewohnt. Der Park ist sicherlich groß genug, um 4 oder 5 Tage zu wandern. Mit wildem Zelten hatten wir hier überhaupt keine Probleme. In den Informationsbroschüren haben wir nichts über ein Verbot oder eine Erlaubnis gefunden, aber ich wüßte auch nicht, wer sich daran stören sollte. Der Park ist allerdings in Zonen unterschiedlich strenger Reglements unterteilt, und wir haben nur in den schwächer geschützten Zonen gezeltet.
  • Zum Ätna haben wir im Vorfeld einige widersprüchliche Informationen gelesen, was die Möglichkeit des Besteigens ohne Bergführer angeht. Am Ende sind wir dann eine Route gegangen, die auch im Wanderführer beschrieben ist, im Winter aber in einem Skigebiet verläuft und daher vollkommen unkritisch ist.
Und hier noch ein paar Links:

Bei weiteren Fragen stehe ich natürlich gerne per eMail zur Verfügung!